Handballtraining planen: eine Einheit, die etwas verändert
Die meisten Trainingseinheiten scheitern nicht an den Übungen, sondern an zu vielen Zielen. Wie du eine Einheit um genau einen Schwerpunkt baust – mit Zeitleiste, Bausteinen und einem Weg, den Ertrag zu prüfen.
Die typische Amateur-Trainingseinheit hat vier Ziele: aufwärmen, Technik, Taktik, Abschlussspiel. Am Ende sind alle beschäftigt gewesen und niemand ist besser geworden. Der Grund ist nicht schlechte Übungsauswahl, sondern zu viele Schwerpunkte – und die Erwartung, dass eine Einheit alles abdecken muss.
Eine Einheit, die etwas verändert, hat einen Schwerpunkt und ordnet alles andere unter. Das ist unbequem, weil es bedeutet, in dieser Einheit bewusst etwas nicht zu machen.
Ein Schwerpunkt pro Einheit – und ab wann das gilt
Die Regel gilt für alle Altersstufen, aber der Schwerpunkt sieht unterschiedlich aus:
Bis zur D-Jugend ist der Schwerpunkt fast immer eine Bewegungsfähigkeit: Ballhandling, Koordination, Werfen. Taktik kommt nicht vor.
C- und B-Jugend: technischer Schwerpunkt in der Mehrzahl der Einheiten, taktischer in etwa jeder dritten.
A-Jugend und Erwachsene: Der Schwerpunkt wechselt zwischen Technik, Taktik und Athletik, wobei der taktische Anteil steigt. Aber auch hier gilt: einer pro Einheit.
Ein Schwerpunkt bedeutet nicht, dass die ganze Einheit daraus besteht. Er bedeutet, dass er in mindestens drei Bausteinen vorkommt und dass du in der Einheit ausschließlich zu ihm coachst. Alles andere läuft, wird aber nicht korrigiert.
Wie du den Schwerpunkt findest: aus dem letzten Spiel. Eine Zahl, eine Ursache, eine Übung – mehr braucht es nicht, und drei Schwerpunkte gleichzeitig sind keiner.
Die Einheit im Ablauf
Der Aufbau folgt drei Regeln: Koordinatives und Explosives an den Anfang, Belastung in die Mitte, spielnahe Formen ans Ende. Diese Zeitleiste ist die Standardvariante für 90 Minuten.
- 12 minAufwärmen mit BallPuls hoch, Ballkontakte hoch. Kein Standlaufen, keine Reihen.
- 15 minKoordination oder ExplosivitätFrisches Nervensystem nutzen – nie später in der Einheit.
- 20 minSchwerpunkt technischDie Kernübung des Tages, mit Coaching zu genau einem Punkt.
- 20 minSchwerpunkt unter BedingungDieselbe Sache mit Gegner, Zeitdruck oder Entscheidung.
- 18 minSpielform mit ZielverhaltenRegel oder Wertung lenkt auf den Schwerpunkt. Hier wird gezählt.
- 5 minAusklang und eine Rückmeldung
Fünf Bausteine, aus denen jede Einheit besteht
Jede Einheit lässt sich aus diesen fünf Bausteinen zusammensetzen. Was sich ändert, ist ihre Gewichtung – nicht ihre Reihenfolge.
1 · Aufwärmen mit Ball
10–15 Min. · alle Stufen
- Aufbau
- Jeder Spieler ein Ball, freies Laufen über die ganze Halle mit wechselnden Aufgaben vom Trainer.
- Organisation
- Keine Reihen, kein Kreis, keine Wartezeit. Aufgaben alle 60 bis 90 Sekunden wechseln.
- Coaching-Punkte
- Puls und Ballkontakte gleichzeitig – ein Aufwärmen ohne Ball verschenkt zehn Minuten.
- Beidhändige Aufgaben von Anfang an.
- Die Intensität steigt über den Block, sie startet nicht hoch.
Fehlerbild · Gedehnt wird statisch, bevor gelaufen wird. Danach fühlen sich alle locker und springen schlechter.
Variation · Als Fangspiel mit zwei Fängern – dieselbe Wirkung, höhere Beteiligung.
2 · Der Explosivblock
10–15 Min. · ab C-Jugend
- Aufbau
- Kurze Antritte, Sprünge oder Reaktionsformen mit vollständigen Pausen, direkt nach dem Aufwärmen.
- Organisation
- Sechs bis acht Wiederholungen je Spieler mit mindestens 45 Sekunden Pause. Kurze Pausen machen daraus Ausdauertraining.
- Coaching-Punkte
- Qualität vor Menge – sobald das Tempo sichtbar sinkt, ist der Block zu Ende.
- Immer vor der Belastung, nie nach dem Spielformblock.
- Handballnahe Startpositionen wählen: nach Landung, nach Richtungswechsel.
Fehlerbild · Der Block wird ans Ende der Einheit gelegt, weil dort noch Zeit ist. Damit trainierst du Ermüdungsbewegungen.
3 · Der technische Schwerpunkt
15–20 Min. · alle Stufen
- Aufbau
- Die Kernübung des Tages, zunächst ohne Gegner, mit hoher Wiederholungszahl und einem einzigen Coaching-Punkt.
- Organisation
- Kleine Gruppen, mehrere parallele Stationen. Der Trainer bleibt bei einer Station und coacht, statt alle zu beaufsichtigen.
- Coaching-Punkte
- Ein Coaching-Punkt pro Übung. Zwei sind schon zu viel.
- Der Punkt wird zu Beginn genannt und am Ende überprüft.
- Korrigiere über die Bedingung, nicht über den Zuruf, wo es geht.
Fehlerbild · Der Trainer wandert zwischen den Stationen und coacht überall ein bisschen. Am Ende hat niemand eine vollständige Korrektur bekommen.
4 · Derselbe Schwerpunkt unter Bedingung
15–20 Min. · ab C-Jugend
- Aufbau
- Die Kernübung wiederholt sich, jetzt mit Gegner, Zeitdruck oder Entscheidungszwang.
- Organisation
- Halbaktiver Gegner zuerst, aktiver danach. Der Wechsel erfolgt innerhalb des Blocks, nicht erst in der nächsten Woche.
- Coaching-Punkte
- Die Bedingung ersetzt die Ansage – wenn du rufen musst, ist die Bedingung zu schwach.
- Nur zum Schwerpunkt coachen, alles andere läuft.
- Ein Freeze pro Durchgang reicht.
Fehlerbild · Der Schritt zur Bedingung wird ausgelassen, weil die Technik noch nicht perfekt ist. Sie wird ohne Gegner aber auch nicht besser.
5 · Die Spielform mit Zielverhalten
15–20 Min. · alle Stufen
- Aufbau
- Spielform mit einer Regel oder Wertung, die das Zielverhalten häufiger macht – etwa doppelte Punkte für Tore nach Kreisanspiel.
- Organisation
- Vier Durchgänge à vier Minuten. Der Trainer zählt das Zielverhalten mit und nennt die Zahl am Ende.
- Coaching-Punkte
- Coaching zwischen den Durchgängen, nicht mittendrin.
- Die Regel bleibt über die ganze Woche gleich, damit ein Vergleich möglich ist.
- Die gezählte Zahl ist eine Rückmeldung an dich, keine Bewertung der Mannschaft.
Fehlerbild · Die Spielform läuft ohne Regel als "Abschlussspiel". Damit endet die Einheit mit dem Teil, der am wenigsten trainiert.
Was du an die Spieler auslagerst
Hallenzeit ist die knappste Ressource im Amateurhandball. Alles, was ohne Anleitung, ohne Gegner und ohne Sicherung funktioniert, gehört deshalb nicht in die Halle – sondern in die Hausaufgaben.
Was sich gut auslagern lässt:
Ballgewöhnung an der Wand. Prellen, Fangen, Werfen gegen eine Wand mit beiden Händen. Zehn Minuten an trainingsfreien Tagen bringen über eine Saison mehr Ballkontakte als das gesamte Hallentraining.
Mobilität für Schulter und Hüfte. Vier bis fünf feste Übungen, immer dieselben. Wirkt nur über Regelmäßigkeit.
Rumpfstabilität. Braucht keine Geräte, sobald die Ausführung einmal in der Halle korrigiert wurde.
Spielverständnis. Ein Spiel der eigenen Mannschaft oder ein Profispiel mit einer konkreten Beobachtungsaufgabe ansehen: "Achte darauf, wann der Kreisläufer sich löst." Kostet dich nichts und verändert mehr als eine weitere Übung.
Was du nicht auslagerst: alles mit Zusatzgewicht, intensive Sprungserien und jede Bewegung, die du nicht mindestens einmal korrigiert hast. Ein Spieler, der zu Hause eine falsche Technik einschleift, kommt mit einem Problem zurück.
Damit Hausaufgaben funktionieren, brauchst du drei Dinge: eine sehr kurze Liste – maximal fünf Übungen –, eine feste Frequenz und eine Nachfrage im Training. Ohne Nachfrage macht es nach drei Wochen niemand mehr. Die Nachfrage muss dabei nicht kontrollierend sein; eine einfache Runde "Wer hat's diese Woche geschafft?" reicht.
Wie die Einheiten über die Woche zusammenpassen
Eine einzelne gute Einheit hilft wenig, wenn die Woche nicht passt. Zwei Regeln:
Eine harte Einheit pro Woche. Die zweite ist mittel, die dritte kurz und technisch. Drei mittelharte Einheiten erzeugen Müdigkeit ohne Anpassung – mehr dazu in der Belastungssteuerung.
Ein Schwerpunkt pro Woche, nicht pro Einheit. Wenn du drei Wochen am Kreisanspiel arbeitest, siehst du eine Veränderung. Wenn jede Einheit einen anderen Schwerpunkt hat, siehst du gar nichts. Der Wochenschwerpunkt taucht in allen Einheiten der Woche auf, nur mit unterschiedlicher Gewichtung.
Für die Wettkampfphase heißt das konkret: montags oder dienstags die harte Einheit mit dem Wochenschwerpunkt, donnerstags dieselbe Sache in spielnaher Form, freitags kurz und bekannt.
Was du danach prüfst
Eine Einheit lässt sich auswerten, und zwar einfacher als ein Spiel:
Zähl das Zielverhalten in der Spielform. Wenn der Schwerpunkt Kreisanspiele waren, zählst du Kreisanspiele im Abschlussspiel. Die Zahl ist deine Rückmeldung – an dich, nicht an die Mannschaft.
Vergleiche dieselbe Spielform über mehrere Wochen. Gleiche Form, gleiche Dauer, gleiche Zahl. Steigt sie, wirkt dein Schwerpunkt.
Übertrage die Zahl aufs Spiel. Erst der Vergleich zwischen Trainings- und Spielwert sagt dir, ob das Verhalten wirklich angekommen ist oder nur unter Trainingsbedingungen funktioniert.
Prüfe die Trainingsbeteiligung. Die unspektakulärste Kennzahl und eine der aussagekräftigsten: Wenn die Einheiten gut sind, kommen die Leute.
Ein letzter Hinweis zur Planung selbst: Schreib deine Einheit auf, auch wenn du sie im Kopf hast. Eine notierte Einheit lässt sich nach dem Training in zwei Minuten kommentieren – was zu lange gedauert hat, was nicht funktioniert hat. Nach einer Halbserie hast du damit eine Übungssammlung, die zu deiner Mannschaft passt statt zu einer aus dem Internet.
Weitere Trainingsrezepte
Einheiten und Übungsreihen, die auf diesem Schwerpunkt aufbauen.
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Häufige Fragen
Im Erwachsenen- und älteren Jugendbereich sind 90 Minuten der Standard, in der Kinder- und unteren Jugendstufe 60 bis 75 Minuten. Entscheidender als die Dauer ist die Verteilung: Koordinatives und Explosives an den Anfang, Belastung in die Mitte, spielnahe Formen ans Ende.
Genau einen. Ein Schwerpunkt bedeutet, dass er in mindestens drei Bausteinen der Einheit vorkommt und dass ausschließlich zu ihm gecoacht wird – alles andere läuft, wird aber nicht korrigiert. Drei Schwerpunkte in einer Einheit sind keiner.
Alles, was ohne Anleitung, Gegner und Sicherung funktioniert: Ballgewöhnung an der Wand, Mobilität für Schulter und Hüfte, Rumpfstabilität und eine konkrete Beobachtungsaufgabe zu einem Spiel. Nicht auslagern solltest du Übungen mit Zusatzgewicht, intensive Sprungserien und alles, was du nicht mindestens einmal korrigiert hast.
Mit einer sehr kurzen Liste von höchstens fünf Übungen, einer festen Frequenz und einer Nachfrage im Training. Ohne Nachfrage macht es nach drei Wochen niemand mehr. Die Nachfrage muss nicht kontrollierend sein – eine kurze Runde "Wer hat es diese Woche geschafft?" reicht.
Zu viele Ziele in einer Einheit, Explosivblöcke am Ende statt am Anfang, wechselnde Schwerpunkte von Einheit zu Einheit und ein Abschlussspiel ohne jede Bedingung. Der vierte Punkt ist der teuerste: Die letzten 20 Minuten sind der spielnächste Teil des Trainings und werden am seltensten genutzt.

Über den Autor
Arkadiusz Weiss
Torwart, Trainer und Gründer von Statix
Arkadiusz Weiss steht seit über zehn Jahren im Handballtor und trainiert selbst eine Mannschaft in der Kreis- und Bezirksliga – genau der Alltag, für den diese Ratgeber geschrieben sind. Statix ist aus diesem Alltag entstanden: aus dem Zettel am Spielfeldrand, aus dem nach dem Abpfiff nie eine brauchbare Auswertung wurde.
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