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TrainingsplanungTrainingsrezept

Aufwärmen planen: zwölf Minuten, die den Rest der Einheit tragen

Das Aufwärmen ist der einzige Teil des Trainings, den fast jede Mannschaft macht – und der am seltensten geplant wird. Ein Ablauf, der Puls, Ballkontakte und Wurfvorbereitung in zwölf Minuten unterbringt.

Von Arkadiusz Weiss, Torwart, Trainer und Gründer von Statix · aktualisiert 7 Min. Lesezeit

Zwei Runden laufen, im Kreis dehnen, ein paar Würfe aufs Tor: So sieht das Aufwärmen in vielen Hallen aus. Es kostet zwölf bis fünfzehn Minuten, es fühlt sich richtig an, und es leistet ungefähr die Hälfte dessen, was möglich wäre.

Ein geplantes Aufwärmen macht drei Dinge gleichzeitig: Es bringt den Puls hoch, es liefert Ballkontakte, und es bereitet die Wurfschulter vor. Wer es so aufbaut, gewinnt keine Zeit – aber er nutzt die vorhandene doppelt.

Was das Aufwärmen leisten muss und ab wann

Vier Ziele, in dieser Reihenfolge:

Kreislauf und Muskeltemperatur. Der klassische Zweck. Er ist nach etwa fünf Minuten moderater Bewegung erreicht.

Bewegungsvorbereitung in den Gelenken, die belastet werden. Schulter, Brustwirbelsäule, Hüfte, Sprunggelenk – in Bewegung, nicht im Halten.

Ballkontakte. Der am häufigsten verschenkte Teil. Wer zwölf Minuten ohne Ball aufwärmt, verliert über eine Saison mehrere hundert Ballkontakte pro Spieler.

Aktivierung des Nervensystems. Kurze, schnelle Reize am Ende – Antritte, Richtungswechsel, Sprünge. Sie sorgen dafür, dass die erste Übung nicht als Aufwärmen missbraucht wird.

Ab der D-Jugend läuft das Aufwärmen so, wie es hier steht. Im Kinderbereich ersetzt du es vollständig durch ein Fangspiel mit Ball – Kinder brauchen kein Aufwärmen im physiologischen Sinn, sie brauchen einen Einstieg, der sofort Spaß macht.

Woran du den Fehler in der Halle erkennst

  • Es wird statisch gedehnt, bevor gelaufen wird. Gehaltene Dehnung vor Belastung senkt kurzfristig die Explosivität. Die Spieler fühlen sich locker und springen schlechter.
  • Zwölf Minuten ohne Ball. Verschenkte Ballkontakte, und die Spieler kommen mental erst mit dem ersten Ball im Training an.
  • Alle laufen im Kreis. Kein Richtungswechsel, keine Bewegungsvielfalt, kein Ballkontakt. Der ineffizienteste mögliche Einstieg.
  • Die Schulter kommt nicht vor. Die am stärksten belastete Struktur im Handball wird in den meisten Aufwärmprogrammen komplett übersprungen.
  • Der erste harte Wurf kommt zu früh. Wer nach acht Minuten aus neun Metern voll durchzieht, hat die Schulter nicht vorbereitet.

Der Ablauf im Detail

Zwölf Minuten für ein Training, fünfzehn bis achtzehn vor einem Spiel. Der Unterschied liegt im letzten Block: Vor dem Spiel wird die Wurfvorbereitung länger und das Ballspiel kürzer.

Zwölf Minuten Aufwärmen im Training12 Minuten
  1. 3 minEinlaufen mit BallJeder ein Ball, freies Laufen, Richtungswechsel. Kein Kreis, keine Runden.
  2. 3 minMobilität in BewegungSchulter, Brustwirbelsäule, Hüfte, Sprunggelenk – im Gehen, nie gehalten.
  3. 3 minPaarweise BallarbeitZuspiele mit steigender Distanz, beidhändig.
  4. 2 minAktivierungKurze Antritte, Sprünge, Reaktion auf Signal.
  5. 1 minErste WürfeAus kurzer Distanz, halbe Härte. Nie sofort aus neun Metern.

Fünf Bausteine für das Aufwärmen

Du brauchst nicht alle fünf in jeder Einheit – aber Baustein 1, 3 und 5 gehören in jedes Aufwärmen.

1 · Einlaufen mit Ball statt Runden

3 Min. · ab D-Jugend

Aufbau
Jeder Spieler ein Ball, freies Laufen über die ganze Halle.
Organisation
Der Trainer gibt alle 30 bis 45 Sekunden eine neue Aufgabe: prellen mit der schwachen Hand, hochwerfen und fangen, Ball um den Körper führen, Richtungswechsel auf Zuruf.
Coaching-Punkte
  • Puls und Ballkontakte gleichzeitig – das ist der ganze Punkt.
  • Richtungswechsel gehören von Anfang an dazu, Handball ist keine Geradeaussportart.
  • Die Intensität steigt über die drei Minuten, sie startet nicht hoch.

Fehlerbild · Zwei Runden im Kreis. Kein Richtungswechsel, kein Ballkontakt – der ineffizienteste mögliche Einstieg.

Variation · Als Fangspiel mit zwei Fängern: dieselbe Wirkung, höhere Beteiligung.

2 · Mobilität in Bewegung

3 Min. · ab D-Jugend

Aufbau
Über die Hallenlängsseite, vier Aufgaben im Wechsel: Armkreisen groß, Ausfallschritt mit Rotation, Hüftöffner im Gehen, Fußgelenke abrollen.
Organisation
Alle gleichzeitig in einer Richtung, drei Durchgänge mit steigendem Tempo.
Coaching-Punkte
  • Bewegung statt Halten – gehaltene Dehnung vor Belastung senkt die Explosivität.
  • Schulter und Brustwirbelsäule bekommen die meiste Zeit, sie limitieren die Wurfbewegung.
  • Groß und langsam, nicht klein und schnell.

Fehlerbild · Statisches Dehnen im Kreis. Es fühlt sich gut an und macht die Spieler für die nächsten zwanzig Minuten langsamer.

3 · Paarweise mit steigender Distanz

3 Min. · ab D-Jugend

Aufbau
Paare beginnen bei drei Metern Abstand und vergrößern ihn alle 30 Sekunden um zwei bis drei Meter.
Organisation
Auf beiden Hallenhälften parallel, damit niemand wartet.
Coaching-Punkte
  • Die Wurfhärte steigt mit der Distanz – aus drei Metern wird aus dem Handgelenk gespielt.
  • Beide Hände kommen vor, auch bei Erwachsenen.
  • Bei zwölf Metern ist Schluss; das ist keine Wurfeinheit.

Fehlerbild · Sofort maximale Distanz und volle Härte. Genau das ist die Belastung, auf die die Schulter noch nicht vorbereitet ist.

4 · Aktivierung des Nervensystems

2 Min. · ab C-Jugend

Aufbau
Kurze Antritte über fünf bis zehn Meter aus verschiedenen Startpositionen, dazu zwei bis drei Sprünge.
Organisation
Sechs bis acht Wiederholungen mit vollständiger Pause. Wenige, gute Wiederholungen statt vieler halber.
Coaching-Punkte
  • Kurz und schnell, nicht lang und ausdauernd.
  • Vollständige Pausen – das ist kein Konditionsblock.
  • Der Startreiz wechselt: Kommando, Handzeichen, Ball in Bewegung.

Fehlerbild · Zu kurze Pausen. Der Block wird dann zum Ausdauerreiz und die Spieler starten müde in die erste Übung.

5 · Die ersten Würfe

1–6 Min. · ab D-Jugend

Aufbau
Würfe aufs Tor mit steigender Distanz und Härte: erst aus sechs Metern halbe Härte, dann neun Meter, dann Spielhärte.
Organisation
Vor dem Training eine Minute, vor dem Spiel sechs. Der Torwart bekommt zuerst langsame Bälle in die Mitte.
Coaching-Punkte
  • Nie mit vollem Wurf beginnen, auch nicht bei Zeitdruck vor dem Spiel.
  • Der Torwart wird mit aufgewärmt – langsam, mittig, dann in die Ecken.
  • Keine Technikkorrektur in diesem Block.

Fehlerbild · Der erste Wurf ist gleich der härteste. Der häufigste vermeidbare Auslöser für Schulterbeschwerden im Amateurbereich.

Wie das Aufwärmen zur restlichen Einheit passt

Vor Technik: kürzer und ruhiger. Zehn Minuten reichen, das Nervensystem soll frisch bleiben.

Vor einem Athletik- oder Spielformblock: länger und intensiver. Fünfzehn Minuten mit mehr Antritten, damit die erste harte Belastung nicht ins Kalte fällt.

Vor dem Spiel: mit Wurfvorbereitung. Achtzehn Minuten, davon die letzten sechs für den Wurfaufbau – erst kurze Distanz, dann mittlere, dann Spielhärte. Der Torwart wärmt sich parallel mit auf und bekommt zuerst langsame Bälle.

Am Tag vor dem Spiel: nichts Neues. Bekannte Formen, bekannte Reihenfolge. Aufwärmen ist ein Ritual, und Rituale entlasten unter Druck.

Ein organisatorischer Punkt, der viel bringt: Lass das Aufwärmen von wechselnden Spielern leiten, ab der B-Jugend. Sie lernen dabei mehr über Belastungsvorbereitung als in jedem Vortrag – und du gewinnst zehn Minuten, um mit einzelnen Spielern zu sprechen.

Was du danach beobachtest

Aufwärmen hat keine eigene Kennzahl, aber drei Beobachtungen sagen dir, ob es funktioniert:

Wie viele technische Fehler passieren in den ersten zehn Minuten des Trainings? Wenn die erste Übung durchgehend unsauber läuft, war das Aufwärmen zu kurz oder ohne Ball.

Wie sieht die Wurfquote in den ersten zehn Minuten des Spiels aus? Zähl sie getrennt. Ein deutlicher Unterschied zum Rest des Spiels ist ein Hinweis auf unzureichende Wurfvorbereitung – nicht auf Nervosität.

Wie viele Muskelverletzungen habt ihr über die Saison? Kein Beleg für einen Zusammenhang im Einzelfall, aber über Jahre die Zahl, die man im Blick behalten sollte. Was das Aufwärmen nachweislich leistet, ist die Vorbereitung auf Belastung – ob es Verletzungen verhindert, ist eine Frage, die du als Trainer nicht abschließend beantworten kannst und auch nicht behaupten solltest.

Wie das Aufwärmen in die Belastung der ganzen Woche passt, steht in der Belastungssteuerung rund um den Spieltag.

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Häufige Fragen

Im Training reichen zwölf Minuten, vor einem Spiel eher fünfzehn bis achtzehn. Der Unterschied liegt im Wurfaufbau: Vor dem Spiel gehören die letzten sechs Minuten der Wurfvorbereitung mit steigender Distanz und Härte.

Nein. Gehaltene Dehnung vor Belastung senkt kurzfristig die Explosivität – die Spieler fühlen sich locker und springen schlechter. Vor dem Spiel gehört Mobilität in Bewegung ins Programm: Armkreisen, Ausfallschritt mit Rotation, Hüftöffner im Gehen. Statisches Dehnen kann nach der Belastung stattfinden.

Drei gehören in jedes Aufwärmen: Einlaufen mit Ball statt Runden im Kreis, Mobilität in Bewegung mit Schwerpunkt auf Schulter und Brustwirbelsäule, und ein Wurfaufbau mit steigender Distanz. Der Wurfaufbau ist der am häufigsten übersprungene Teil und der wichtigste für die am stärksten belastete Struktur im Handball.

Mit einem Fangspiel mit Ball statt mit einem strukturierten Aufwärmprogramm. Kinder brauchen kein Aufwärmen im physiologischen Sinn – sie brauchen einen Einstieg, der sofort Bewegung erzeugt und Spaß macht. Ein Aufwärmprogramm nach Erwachsenenmuster kostet in dieser Altersstufe nur Zeit.

Arkadiusz Weiss, Torwart, Trainer und Gründer von Statix

Über den Autor

Arkadiusz Weiss

Torwart, Trainer und Gründer von Statix

Arkadiusz Weiss steht seit über zehn Jahren im Handballtor und trainiert selbst eine Mannschaft in der Kreis- und Bezirksliga – genau der Alltag, für den diese Ratgeber geschrieben sind. Statix ist aus diesem Alltag entstanden: aus dem Zettel am Spielfeldrand, aus dem nach dem Abpfiff nie eine brauchbare Auswertung wurde.

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