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TrainingsplanungTrainingsrezept

Saisonvorbereitung planen: acht Wochen mit einem roten Faden

Acht Wochen, drei Phasen, ein roter Faden – und die Frage, die über den Saisonstart entscheidet: Was soll am ersten Spieltag anders sein als am letzten der Vorsaison?

Von Arkadiusz Weiss, Torwart, Trainer und Gründer von Statix · aktualisiert 8 Min. Lesezeit

Die typische Amateur-Vorbereitung besteht aus vier Wochen Laufen, drei Wochen Handball und einem Testspiel, das schlecht ausgeht. Danach beginnt die Saison, und in Woche drei ist die Kondition wieder weg.

Eine Vorbereitung, die trägt, hat einen roten Faden – und der beginnt mit einer Frage, die die meisten Trainer nicht schriftlich beantworten: Was soll am ersten Spieltag anders sein als am letzten Spieltag der Vorsaison? Wenn du darauf eine konkrete Antwort hast, planst du rückwärts. Wenn nicht, planst du Laufeinheiten.

Was die Vorbereitung leisten soll und wie lange sie dauert

Acht Wochen sind der Normalfall im Amateurbereich, sechs sind machbar, zehn sind selten realistisch, weil Urlaub und Unvollständigkeit dazwischenkommen.

Vier Ziele, die sich zeitlich staffeln lassen:

Belastbarkeit aufbauen. Nicht Kondition im Sinne von Dauerlauf, sondern die Fähigkeit, drei Einheiten pro Woche plus Spiel zu vertragen. Das ist in den ersten drei Wochen das Hauptthema.

Ein bis zwei technische Schwerpunkte. Mehr nicht. Die Vorbereitung ist die einzige Phase mit Zeit für echte Technikarbeit, aber sie hat nicht Zeit für alles.

Ein taktischer Schwerpunkt. Ein Abwehrsystem oder ein Angriffsprinzip. Eine Systemumstellung braucht die vollen acht Wochen – dazu die Entscheidungshilfe zum Abwehrsystem.

Die Mannschaft. Neuzugänge einbinden, Rollen klären, Absprachen entstehen lassen. Der am meisten unterschätzte Teil, weil er nicht in einem Trainingsplan steht.

Woran du in Woche drei den Fehler erkennst

Vier Signale, dass deine Vorbereitung nicht funktioniert:

  • Die Beteiligung sinkt schon in Woche zwei. Fast immer zu monotone Inhalte. Vier Laufeinheiten in Folge kosten dich mehr Spieler, als sie Kondition bringen.
  • Alle sind dauerhaft müde. Zu gleichmäßige Belastung ohne Entlastungswoche. Anpassung entsteht in der Erholung, nicht im Reiz.
  • Der Schwerpunkt wechselt wöchentlich. Dann gibt es keinen. Ein taktischer Schwerpunkt braucht sechs bis acht Wochen, nicht zwei.
  • Das erste Testspiel steht in Woche zwei. Zu früh: Die Mannschaft ist müde, das Ergebnis sagt nichts, und die Stimmung leidet ohne Grund.

Die acht Wochen im Überblick

Die Zeitleiste zeigt die Wochen als Blöcke. Die Minutenangabe steht dabei für die wöchentliche Nettotrainingszeit – so siehst du, wie sich der Umfang über die Vorbereitung verändert.

Acht Wochen, wöchentliche Nettotrainingszeit1100 Minuten
  1. 180 minWoche 1–2 · WiedereinstiegZwei Einheiten, viel Ball, moderate Belastung. Athletik mit Körpergewicht, kein Testspiel.
  2. 270 minWoche 3–4 · AufbauDrei Einheiten, höchster Umfang der Vorbereitung. Technischer Schwerpunkt startet, erstes Testspiel am Ende von Woche 4.
  3. 180 minWoche 5 · EntlastungGleiche Einheitenzahl, halbes Volumen. Taktik und Technik bleiben, Belastung geht raus.
  4. 270 minWoche 6–7 · SpielnäheTaktischer Schwerpunkt im Zentrum, Spielformen statt Athletikblöcke, zwei Testspiele.
  5. 200 minWoche 8 · FeinschliffVolumen runter, Intensität kurz und scharf. Standards, Absprachen, keine neuen Inhalte.

Die Bausteine der Vorbereitung

Jede Woche besteht aus denselben vier Bausteinen, nur die Gewichtung verschiebt sich.

1 · Belastbarkeit über Spielformen

Woche 1–4 · alle Stufen

Aufbau
Intensive Spielformen im kleinen Feld – 3 gegen 3 oder 4 gegen 4 – mit festen Zeiten statt Laufeinheiten.
Organisation
Sechs Durchgänge à 90 Sekunden mit 90 Sekunden Gehpause. In Woche 1 vier Durchgänge, dann steigern.
Coaching-Punkte
  • Die Belastung kommt aus Feldgröße und Zahl, nicht aus dem Anfeuern.
  • Handballinhalte laufen nebenbei mit – das ist der ganze Vorteil gegenüber dem Laufband.
  • Bricht die Intensität über die Durchgänge ein, ist die Pause zu kurz.

Fehlerbild · Vier Laufeinheiten in Folge. Sie kosten mehr Spieler, als sie Belastbarkeit bringen – und die Belastbarkeit ist nicht handballspezifisch.

Variation · Mit Torhütern und Abschluss, sobald die Grundlagen stehen.

2 · Der technische Schwerpunkt

Woche 3–7 · alle Stufen

Aufbau
Ein bis zwei technische Themen für die gesamte Vorbereitung – etwa Kreisanspiel und Sprungwurf aus dem Anlauf.
Organisation
In jeder Einheit 20 Minuten, immer dasselbe Thema, mit steigender Bedingung von Woche zu Woche.
Coaching-Punkte
  • Ein Thema über acht Wochen schlägt acht Themen über je eine Woche.
  • Die Bedingung steigt, die Übung darf gleich bleiben.
  • In Woche 8 wird nichts Neues mehr eingeführt.

Fehlerbild · Jede Woche ein anderes Technikthema. Am Saisonstart ist dann nichts davon automatisiert.

3 · Der taktische Schwerpunkt

Woche 3–8 · ab C-Jugend

Aufbau
Ein Abwehrsystem oder ein Angriffsprinzip, aufgebaut in der bekannten Reihenfolge: stehen, bewegen, entscheiden.
Organisation
Ab Woche 3 in jeder Einheit, ab Woche 6 im Zentrum. In den Testspielen wird ausschließlich dieses System gespielt.
Coaching-Punkte
  • Eine Systemumstellung braucht die vollen acht Wochen – plane sie nicht nebenbei.
  • In den Testspielen konsequent bleiben, auch bei Rückstand.
  • Erst ab Woche 6 wird das Ergebnis wichtiger als die Ausführung.

Fehlerbild · Im Testspiel zurück zur alten Ordnung, weil es gerade nicht läuft. Damit ist die Umstellung faktisch abgebrochen.

4 · Die Mannschaftsarbeit

Woche 1–8 · alle Stufen

Aufbau
Gemischte Kleingruppen bei jeder Partnerübung, ein Rollengespräch je Spieler in den ersten drei Wochen, ein gemeinsames Saisonziel bis Woche 6.
Organisation
Der Trainer teilt Gruppen ein, nie die Mannschaft. Ein Einzelgespräch pro Woche, in fester Reihenfolge.
Coaching-Punkte
  • Neuzugänge werden aktiv verteilt, nicht sich selbst überlassen.
  • Jeder Spieler kann bis Woche 4 seine Rolle in einem Satz benennen.
  • Das Saisonziel wird formuliert, bevor das erste Punktspiel läuft.

Fehlerbild · Die Mannschaft teilt sich selbst ein. Damit reproduzieren sich bestehende Gruppen, und Neuzugänge bleiben acht Wochen außen vor.

Wie du Testspiele einsetzt

Testspiele sind kein Formcheck, sondern ein Trainingsmittel. Drei Regeln:

Nicht vor Woche vier. Vorher ist die Mannschaft im Aufbau, das Ergebnis ist Zufall und der Nutzen gering.

Jedes Testspiel hat eine Frage. "Hält unsere 5:1 gegen einen starken Rückraum?" ist eine Frage. "Wie stehen wir da?" ist keine. Schreib die Frage vorher auf und beantworte sie danach.

Einsatzzeiten vorher festlegen. Ein Testspiel, in dem die Stammformation 50 Minuten spielt, beantwortet keine Frage, die du nicht schon kennst. Drei bis vier Testspiele über die Vorbereitung reichen, wenn sie unterschiedliche Fragen beantworten.

Das letzte Testspiel liegt idealerweise zehn bis vierzehn Tage vor dem ersten Punktspiel – nah genug für Aussagekraft, weit genug für eine letzte Korrektur.

Was du am Ende der Vorbereitung misst

Miss zu Beginn und am Ende dasselbe, sonst hast du keinen Vergleich. Vier Tests, die in 20 Minuten mit der ganzen Mannschaft machbar sind, stehen im Athletiktraining – Antritt über zehn Meter, Sprunghöhe, Rumpfhaltetest und ein Wiederholungssprint.

Dazu kommen drei handballerische Größen aus den Testspielen:

Technische Fehler je Angriff. Der beste Indikator für den Stand der Grundlagen. Wenn dieser Wert vom ersten zum letzten Testspiel deutlich fällt, hat eure Vorbereitung gewirkt.

Wurfquote je Zone. Vor allem aus neun Metern – die Zone, an der in der Vorbereitung meist gearbeitet wird.

Gegentore nach Zone. Wenn ihr an einem Abwehrsystem gearbeitet habt, muss sich das hier zeigen: Die Zone, für die euer neues System zuständig ist, muss dichter werden. Alles andere darf zunächst schlechter werden.

Und die Zahl, die alles zusammenfasst: Trainingsbeteiligung über die acht Wochen. Eine Mannschaft, die im August vollständig in der Halle steht, hat eine gute Vorbereitung hinter sich – unabhängig davon, wie die Testspiele ausgegangen sind.

Nächste Einheit

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Häufige Fragen

Acht Wochen sind im Amateurbereich der Normalfall, sechs sind machbar. Länger ist selten realistisch, weil Urlaub und unvollständige Kader dazwischenkommen. Wichtiger als die Dauer ist die Struktur: Aufbau, eine Entlastungswoche in der Mitte und ein spielnaher Schlussblock.

In drei Phasen: Wochen 1 bis 2 Wiedereinstieg mit moderater Belastung und viel Ball, Wochen 3 bis 4 Aufbau mit dem höchsten Umfang, Woche 5 als Entlastungswoche, Wochen 6 bis 7 spielnah mit taktischem Schwerpunkt, Woche 8 Feinschliff ohne neue Inhalte.

Über intensive Spielformen im kleinen Feld statt über Dauerläufe. Sechs Durchgänge 3 gegen 3 über 90 Sekunden mit gleich langer Pause trainieren dieselbe Energiebereitstellung wie ein Intervalltraining und bringen handballerische Inhalte gleich mit. Vier Laufeinheiten in Folge kosten dich mehr Spieler, als sie Belastbarkeit bringen.

Sie sind ein Trainingsmittel, kein Formcheck. Jedes Testspiel sollte eine vorher aufgeschriebene Frage beantworten – etwa, ob die neue 5:1 gegen einen starken Rückraum hält. Nicht vor Woche vier ansetzen, Einsatzzeiten vorher festlegen, und das letzte Testspiel zehn bis vierzehn Tage vor dem ersten Punktspiel.

Arkadiusz Weiss, Torwart, Trainer und Gründer von Statix

Über den Autor

Arkadiusz Weiss

Torwart, Trainer und Gründer von Statix

Arkadiusz Weiss steht seit über zehn Jahren im Handballtor und trainiert selbst eine Mannschaft in der Kreis- und Bezirksliga – genau der Alltag, für den diese Ratgeber geschrieben sind. Statix ist aus diesem Alltag entstanden: aus dem Zettel am Spielfeldrand, aus dem nach dem Abpfiff nie eine brauchbare Auswertung wurde.

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