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TrainingsplanungTrainingsrezept

Torwarttraining planen: Stellungsspiel, Ecken, Siebenmeter

In den meisten Vereinen gibt es keinen Torwarttrainer – der Torwart wärmt sich auf und steht dann 80 Minuten im Tor. Wie du auch ohne Spezialisten eine Einheit planst, die den Torwart wirklich weiterbringt.

Von Arkadiusz Weiss, Torwart, Trainer und Gründer von Statix · aktualisiert 9 Min. Lesezeit

Der Torwart ist die Position mit dem größten Einfluss auf das Ergebnis und der geringsten Trainingszuwendung. In den meisten Amateurmannschaften besteht sein Training aus dem Warmwerfen vor der Einheit und dem Abwehren von Würfen in den Abschlussformen – also aus Belastung ohne Anleitung.

Das lässt sich ändern, auch ohne Torwarttrainer und ohne dass du selbst im Tor gestanden hast. Du brauchst zwei Dinge: einen festen Block von 20 bis 25 Minuten und eine Vorstellung davon, was du beobachtest.

Was du entwickeln willst und ab wann

Vier Bereiche, in dieser Reihenfolge:

Grundstellung und Stellungsspiel – die Basis. Ein Torwart, der falsch steht, kann nicht reagieren, egal wie schnell er ist. Ab D-Jugend und danach dauerhaft.

Beinarbeit auf der Linie – der Weg zwischen den Positionen. Er entscheidet, ob der Torwart bei einem Seitenwechsel des Balls rechtzeitig steht. Ab C-Jugend.

Reaktion und Abwehrtechnik je Zone – oben, unten, Nahdistanz, spitzer Winkel. Jede Zone hat ihre eigene Bewegung. Ab C-Jugend, mit Schwerpunktwechsel über die Saison.

Antizipation und Siebenmeter – das Lesen des Werfers. Ab B-Jugend, weil es Spielerfahrung voraussetzt.

Im Kinderbereich gibt es keine Torwartausbildung im engeren Sinn – dort rotieren alle Kinder ins Tor. Eine feste Torwartrolle vor der D-Jugend nimmt einem Kind die Feldspielerausbildung, die es später braucht.

Woran du den Fehler in der Halle erkennst

Diese fünf Bilder erkennst du auch ohne Torwarterfahrung:

  • Die Hände sind zu tief. Grundstellung mit Händen unterhalb der Hüfte. Oben wird dann alles zu spät, und oben fallen die meisten Tore.
  • Der Torwart steht zu weit im Tor. Er deckt weniger Winkel ab und wirkt dadurch langsamer, als er ist. Besonders bei Würfen aus dem spitzen Winkel.
  • Die Bewegung geht rückwärts statt seitlich. Beim Seitenwechsel des Balls weicht der Torwart Richtung Linie aus, statt die Position auf dem Kreisbogen zu wechseln.
  • Er spekuliert, bevor der Wurfarm kommt. Frühes Festlegen auf eine Ecke. Erkennbar daran, dass gehaltene Bälle spektakulär aussehen und Gegentore harmlos.
  • Nach einem Gegentor bleibt er beim Gegentor. Der Blick geht zur Abwehr oder zur Bank, der nächste Angriff läuft schon. Die wichtigste mentale Fähigkeit auf dieser Position.

Die Einheit im Ablauf

Ein Torwartblock von 25 Minuten, der parallel zum Mannschaftstraining laufen kann – ein Feldspieler übernimmt das Anwerfen. Ideal ist die Zeit, in der die Mannschaft an einer Übung ohne Torabschluss arbeitet.

25-Minuten-Block parallel zum Mannschaftstraining25 Minuten
  1. 5 minAufwärmen mit BallBeinarbeit ohne Wurf, Hände früh nach oben.
  2. 5 minÜbung 1 – Grundstellung und PositionStellungsspiel auf dem Kreisbogen, ohne Härte.
  3. 5 minÜbung 2 und 3 – Zonen einzelnEin Schwerpunkt je Einheit: oben, unten oder Nahdistanz.
  4. 5 minÜbung 4 – Reaktion in FolgeMehrere Würfe hintereinander, kurze Wege dazwischen.
  5. 5 minÜbung 5 und 6 – SpielnäheWurf nach Abwehrsituation und Siebenmeter zum Abschluss.

Sechs Übungen für den Torwartblock

Wichtig für alle: Die Wurfhärte ist zu Beginn reduziert. Ein Torwart, der Angst vor dem Ball hat, entwickelt Ausweichverhalten, das später schwer zu korrigieren ist.

1 · Position auf dem Kreisbogen

5 Min. · ab D-Jugend

Aufbau
Ein Anwerfer wandert langsam von halblinks über die Mitte nach halbrechts, ohne zu werfen. Der Torwart hält durchgehend die richtige Position.
Organisation
Drei Durchgänge ohne Wurf, danach drei mit unangekündigtem Wurf aus beliebiger Position.
Coaching-Punkte
  • Die Position folgt dem Ball auf einem leichten Bogen, nicht auf der Torlinie.
  • Die Hände bleiben durchgehend über Hüfthöhe.
  • Die Bewegung erfolgt seitlich, nicht rückwärts.

Fehlerbild · Der Torwart weicht beim Seitenwechsel Richtung Linie aus. Er deckt dadurch weniger Winkel ab und wirkt langsamer, als er ist.

Variation · Der Anwerfer wechselt das Tempo – der Torwart muss die Position dennoch halten.

2 · Zone oben

5 Min. · ab C-Jugend

Aufbau
Würfe ausschließlich in die oberen Ecken, aus neun Metern, mit reduzierter Härte.
Organisation
Je zehn Würfe, danach Wechsel des Anwerfers. Härte erst am Ende steigern.
Coaching-Punkte
  • Die Hand geht zum Ball, nicht der ganze Körper.
  • Der Ellenbogen bleibt leicht gebeugt, sonst ist die Bewegung zu langsam.
  • Die Beine folgen der Hand, sie führen nicht.

Fehlerbild · Der Torwart springt zur Ecke, statt die Hand zu führen. Der Sprung ist langsamer als die Hand und macht ihn für Würfe in die andere Ecke unbeweglich.

3 · Zone unten und Nahdistanz

5 Min. · ab C-Jugend

Aufbau
Würfe in die unteren Ecken aus neun Metern, danach Nahdistanzwürfe vom Kreis mit deutlich reduzierter Härte.
Organisation
Getrennte Durchgänge, nicht gemischt. Die Nahdistanz kommt zuletzt und mit langsamen Würfen.
Coaching-Punkte
  • Unten führt das Bein, die Hand folgt – umgekehrt als oben.
  • Bei Nahdistanz wird die Fläche vergrößert, nicht die Ecke bedient: Arme und Beine breit.
  • Der Torwart geht bei Nahdistanz aktiv entgegen, statt zu warten.

Fehlerbild · Der Torwart bleibt bei Nahdistanzwürfen stehen und wartet. Ohne aktives Entgegengehen hat er bei zwei Metern Abstand keine Chance.

4 · Drei Würfe in Folge

5 Min. · ab C-Jugend

Aufbau
Drei Anwerfer stehen auf halblinks, Mitte und halbrechts und werfen unmittelbar nacheinander.
Organisation
Vier Serien à drei Würfe, dazwischen 45 Sekunden Pause. Reihenfolge der Werfer wechselt.
Coaching-Punkte
  • Nach jeder Parade sofort zurück in die Grundstellung.
  • Der Weg zwischen den Positionen erfolgt seitlich und kurz.
  • Der dritte Wurf ist der eigentliche Trainingsinhalt – dort zeigt sich die Beinarbeit.

Fehlerbild · Der Torwart bleibt nach der ersten Parade unten. Der zweite Wurf ist dann geschenkt.

Variation · Vier Würfe statt drei, sobald die Beinarbeit sauber bleibt.

5 · Wurf nach Abwehrsituation

5 Min. · ab B-Jugend

Aufbau
Zwei Blockspieler vor dem Tor, der Werfer entscheidet zwischen Wurf über den Block und Anspiel an den Kreis.
Organisation
Der Block sagt seine Ecke laut an. Je acht Durchgänge, danach Rollenwechsel im Block.
Coaching-Punkte
  • Der Torwart stellt sich erst nach der Ansage des Blocks.
  • Bei Anspiel an den Kreis sofort Position wechseln, nicht dem Ball nachsehen.
  • Die Absprache muss laut und eindeutig sein – sie ist Teil der Übung.

Fehlerbild · Der Torwart deckt dieselbe Ecke wie der Block. Beide arbeiten dann gegen dieselbe Hälfte des Tors, die andere steht offen.

6 · Siebenmeter lesen

5 Min. · ab B-Jugend

Aufbau
Fünf Schützen werfen nacheinander. Nach jedem Wurf sagt der Torwart, woran er die Ecke erkannt hat.
Organisation
Zwei Durchgänge. Im zweiten achtet der Torwart nur noch auf ein einziges Merkmal seiner Wahl.
Coaching-Punkte
  • Ein Merkmal, nicht vier – Blick, Schulter, Standbein oder Ballhaltung.
  • Die Entscheidung fällt beim Ausholen, nicht vor dem Anlauf.
  • Position leicht vorgeschoben, aber innerhalb der Vier-Meter-Linie.

Fehlerbild · Der Torwart legt sich vor dem Anlauf fest. Gehaltene Bälle sehen dann spektakulär aus, die Quote bleibt trotzdem schlecht.

Siebenmeter halten

Der Siebenmeter ist die einzige Situation, in der der Torwart mehr zu gewinnen als zu verlieren hat – statistisch ist der Schütze klar im Vorteil, jede Parade ist ein Bonus. Diese Haltung solltest du deinem Torwart vermitteln, bevor du an Technik arbeitest.

Drei Dinge, die tatsächlich funktionieren:

Den Schützen lesen statt raten. Blickrichtung, Schulterstellung, Standbeinausrichtung und die Ballhaltung im letzten Moment verraten bei den meisten Amateurschützen die Ecke. Der Torwart soll auf ein Merkmal achten, nicht auf alle vier.

Spät entscheiden. Wer sich vor dem Anlauf festlegt, hält nur die Hälfte. Wer sich beim Ausholen entscheidet, hält deutlich häufiger.

Position leicht vorgeschoben. Ein Schritt aus dem Tor heraus verkleinert den Winkel spürbar. Die Regel erlaubt das, solange der Torwart die Vier-Meter-Linie nicht überschreitet.

Was nicht funktioniert: eine feste Reihenfolge von Ecken oder ein System, das der Schütze nach zwei Würfen durchschaut hat.

Wo der Torwartblock in deiner Woche liegt

Zwei Blöcke pro Woche, je 20 bis 25 Minuten. Mehr braucht es im Amateurbereich nicht, weniger reicht nicht für sichtbare Entwicklung.

Immer vor dem Mannschaftsteil mit Abschluss. Ein Torwart, der schon 60 Würfe gehalten hat, lernt in der Abschlussform nichts mehr.

Wurfvolumen im Blick behalten. Ein Torwart bekommt im Training oft mehr Würfe als im Spiel. Das ist Belastung, vor allem für Hüfte und Schulter. Zähle grob mit und begrenze auf etwa 80 bis 100 Würfe pro Einheit.

Am Tag vor dem Spiel kurz und bekannt. 15 Minuten mit vertrauten Formen, keine neuen Bewegungsaufgaben.

Ein organisatorischer Hinweis, der viel bringt: Wenn ihr zwei Torhüter habt, trainieren sie gemeinsam und werfen sich gegenseitig an. Das halbiert deinen Betreuungsaufwand und verdoppelt die Qualität, weil beide dieselben Coaching-Punkte hören.

Was du an der Statistik abliest

Torwartleistung ist die am schwersten zu bewertende Größe im Handball, weil sie von der Abwehr abhängt. Führe deshalb nie nur die Gesamtquote:

Paradenquote je Zone. Fünf Kategorien reichen: Rückraum neun Meter, Außen, Nahdistanz, Tempogegenstoß, Siebenmeter. Erst diese Aufschlüsselung sagt dir, ob ein schwacher Wert am Torwart oder an den zugelassenen Würfen liegt.

Siebenmeterquote getrennt und über die Saison. Erst ab etwa zwanzig Versuchen aussagekräftig.

Die Parade nach dem Gegentor. Zähl, wie oft direkt nach einem Gegentreffer eine Parade folgt. Diese Zahl beschreibt die mentale Stabilität besser als jeder Eindruck.

Die Verteilung der zugelassenen Würfe. Wenn dein Torwart plötzlich doppelt so viele Nahdistanzwürfe bekommt, fällt seine Quote, ohne dass er schlechter geworden ist. Prüfe immer zuerst die Verteilung, dann die Quote.

Wie du diese Werte sauber erhebst und einordnest, steht ausführlich in der Torwartstatistik.

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Häufige Fragen

Mit einem festen Block von 20 bis 25 Minuten, in dem ein Feldspieler anwirft, und einer klaren Beobachtungsliste: Grundstellung mit Händen über Hüfthöhe, Position auf dem Kreisbogen statt auf der Linie, seitliche statt rückwärtige Bewegung, späte Entscheidung. Diese vier Punkte erkennst du auch ohne eigene Torwarterfahrung.

Zwei spezifische Blöcke pro Woche zu je 20 bis 25 Minuten reichen im Amateurbereich für sichtbare Entwicklung. Wichtiger als die Dauer ist die Begrenzung des Wurfvolumens: Ein Torwart bekommt im Training oft mehr Würfe als im Spiel – etwa 80 bis 100 pro Einheit sind eine sinnvolle Obergrenze.

Durch spätes Entscheiden und das Lesen eines einzigen Merkmals – Blickrichtung, Schulterstellung, Standbein oder Ballhaltung. Wer sich vor dem Anlauf festlegt, hält deutlich seltener. Eine leicht vorgeschobene Position innerhalb der Vier-Meter-Linie verkleinert zusätzlich den Winkel.

Im Feldspiel nein, beim Siebenmeter nur eingeschränkt. Frühes Festlegen erzeugt spektakuläre Paraden und ebenso viele harmlos wirkende Gegentore – die Quote bleibt schlecht. Besser ist eine späte Entscheidung beim Ausholen des Werfers, orientiert an einem festen Merkmal.

Nicht vor der D-Jugend. Im Kinderbereich rotieren alle Kinder ins Tor. Eine feste Torwartrolle vor der D-Jugend nimmt dem Kind die Feldspielerausbildung, die es für Beinarbeit, Ballgefühl und Spielverständnis später ohnehin braucht.

Arkadiusz Weiss, Torwart, Trainer und Gründer von Statix

Über den Autor

Arkadiusz Weiss

Torwart, Trainer und Gründer von Statix

Arkadiusz Weiss steht seit über zehn Jahren im Handballtor und trainiert selbst eine Mannschaft in der Kreis- und Bezirksliga – genau der Alltag, für den diese Ratgeber geschrieben sind. Statix ist aus diesem Alltag entstanden: aus dem Zettel am Spielfeldrand, aus dem nach dem Abpfiff nie eine brauchbare Auswertung wurde.

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