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Kennzahlen & AnalyseKennzahl

Torwartstatistik im Handball: Paradenquote fair auswerten

Keine Kennzahl im Handball ist so abhängig von der Leistung anderer wie die Paradenquote. Wie du sie rechnest, nach Zonen aufschlüsselst und so bewertest, dass dein Torwart nicht für die Abwehr bezahlt.

Von Arkadiusz Weiss, Torwart, Trainer und Gründer von Statix · aktualisiert 7 Min. Lesezeit

Die Paradenquote ist die unfairste Zahl im Handball. Ein Torwart, dessen Abwehr freie Würfe von sieben Metern zulässt, steht am Ende mit 22 % da; ein Torwart hinter einer kompakten 6:0, die nur Würfe aus neun Metern gegen den Block erlaubt, kommt auf 40 % – bei identischer Leistung. Wenn du deinen Torwart mit einer nackten Gesamtquote bewertest, bewertest du in Wahrheit deine Abwehr. Dieser Artikel zeigt, wie du das trennst.

Was die Paradenquote misst – und was deine Abwehr misst

Die Paradenquote sagt, welcher Anteil der Würfe auf das Tor gehalten wurde. Sie misst damit die Leistung des Torwarts und die Qualität der zugelassenen Würfe in einer einzigen Zahl. Ohne Aufschlüsselung kannst du beides nicht auseinanderhalten.

Die praktische Konsequenz für dich als Trainer: Die Gesamtquote taugt zum Vergleich desselben Torwarts über mehrere Spiele hinter derselben Abwehr. Sie taugt nicht zum Vergleich zweier Torhüter aus verschiedenen Mannschaften – und nur eingeschränkt zum Vergleich deiner beiden Torhüter, wenn sie gegen unterschiedliche Gegner gespielt haben.

Die Formel und die zwei Zählregeln, die du festlegen musst

Zwei Punkte musst du für die ganze Saison festlegen, sonst sind deine Werte nicht vergleichbar:

Siebenmeter getrennt führen. Ein Siebenmeter hat eine völlig andere Trefferwahrscheinlichkeit als ein Feldwurf. Ein Torwart, der drei Siebenmeter hält, hebt seine Gesamtquote deutlich – gehalten hat er trotzdem nicht mehr Feldwürfe. Führe Feldquote und Siebenmeterquote nebeneinander.

Würfe neben das Tor zählen nicht. Ein Fehlwurf über die Latte ist keine Parade. In die Paradenquote gehen nur Würfe ein, die im Tor gelandet wären oder gehalten wurden.

So rechnest du

Paradenquote (%) = Paraden ÷ (Paraden + Gegentore) × 100

Beispiel: 18 Paraden bei 24 Gegentoren ergeben 18 ÷ 42 × 100 = 42,9 %.

Ein Spiel nach Wurfzonen aufgeschlüsselt

Hier wird die Zahl brauchbar. Notiere zu jedem Gegentor und jeder Parade nur die Zone – fünf Kategorien reichen:

ZoneParadenGegentoreParadenquote
Außen (spitzer Winkel)6460,0 %
Kreis / Nahdistanz2722,2 %
Rückraum 9 m9852,9 %
Tempogegenstoß1516,7 %
Feld gesamt182442,9 %
Siebenmeter (getrennt)2433,3 %

Die Gesamtquote von 42,9 % ist ein guter Wert. Trotzdem stehen 24 Gegentore auf der Anzeige. Die Aufschlüsselung sagt dir sofort, warum: neun Gegentore aus Nahdistanz und Gegenstoß, also aus Situationen, in denen ein Torwart strukturell wenig ausrichten kann. Das ist kein Torwartthema, das ist ein Abwehr- und Rückzugsthema.

Umgekehrt: Wären die 52,9 % aus neun Metern auf 35 % gefallen, hättest du ein echtes Torwartthema – denn genau dort ist der Torwart der entscheidende Faktor.

Richtwerte je Zone

Bewerte jede Zone gegen ihren eigenen Maßstab. Die folgenden Spannen sind Orientierungswerte aus dem Amateurbereich; sobald du acht Spiele deines eigenen Torwarts erfasst hast, ist sein Durchschnitt die bessere Referenz.

Wichtig ist die Reihenfolge: Erst prüfst du, ob sich die Verteilung der Würfe verändert hat, dann die Quote. Wenn dein Torwart plötzlich doppelt so viele Nahdistanzwürfe bekommt, fällt seine Gesamtquote, ohne dass er schlechter geworden ist.

Jede Zone hat ihren eigenen Maßstab
WurfzoneTypische ParadenquoteWer hier hauptsächlich gefordert ist
Rückraum 9 m45–60 %Torwart und Block gemeinsam
Außen, spitzer Winkel50–65 %Torwart, Stellungsspiel
Kreis / Nahdistanz20–35 %Abwehr – der Wurf sollte gar nicht entstehen
Tempogegenstoß15–30 %Rückzugsverhalten der Mannschaft
Siebenmeter20–35 %Torwart, getrennt führen

Orientierungswerte aus dem Amateurbereich, keine erhobene Statistik. Ab acht erfassten Spielen ist der eigene Durchschnitt deines Torwarts die bessere Referenz.

Was Torhüter zu Unrecht schlecht aussehen lässt

Die Gesamtquote als Urteil nehmen. Sie ist ein Mischwert aus Torwartleistung und Abwehrqualität. Ohne Zonen ist sie nicht interpretierbar.

Siebenmeter einrechnen. Sie verzerren in beide Richtungen und haben mit der Feldleistung nichts zu tun.

Kleine Stichproben ernst nehmen. Ein Torwart, der in zehn Minuten fünf Würfe bekommt und einen hält, hat keine 20-Prozent-Leistung gezeigt – er hatte fünf Würfe.

Den Wechsel nach zwei Gegentoren. Ein Torwartwechsel als Reaktion auf zwei Treffer ist fast immer eine Reaktion auf Zufall. Wenn du wechselst, dann mit einem Grund, der über zwei Würfe hinausgeht: eine Zone, die klar nicht funktioniert, oder ein Muster über mehrere Spiele.

Die Quote vor der Mannschaft nennen. Kein Wert im Handball wird so persönlich gelesen wie dieser. Besprich ihn unter vier Augen und immer zusammen mit der Zonenverteilung, damit dein Torwart sieht, welcher Teil überhaupt seiner war.

Woran du im Spiel siehst, ob es sitzt

Wenn du mit deinem Torwart an einer Zone gearbeitet hast, prüfst du nicht die Gesamtquote, sondern:

  • Die Quote in genau der trainierten Zone über drei Spiele. Alles andere ist Rauschen.
  • Die Zahl der Würfe aus Nahdistanz und nach Ballverlust. Sinkt sie, arbeitet deine Abwehr für den Torwart – und die Gesamtquote steigt fast von allein.
  • Der erste gehaltene Ball nach einem Gegentor. Ein Torwart, der nach dem Gegentreffer sofort wieder im Spiel ist, ist der wertvollere. Das lässt sich zählen: Wie oft folgt auf ein Gegentor unmittelbar eine Parade?
  • Die Siebenmeterquote über die Saison. Sie schwankt stark, wird aber über zwanzig Versuche hinweg aussagekräftig.

Zonen mitzuschreiben ist auf Papier mühsam, weil es schnell gehen muss. Wenn du Paraden und Gegentore direkt mit Zone erfassen willst, nimmst du dafür eine Handball-Statistik-App und bekommst Wurfbild und Quote je Zone ohne Nachrechnen.

Nachgefragt

Häufige Fragen

Paraden geteilt durch die Summe aus Paraden und Gegentoren, mal 100. Bei 18 Paraden und 24 Gegentoren ergibt das 18 ÷ 42 × 100 = 42,9 %. Würfe, die neben oder über das Tor gehen, zählen nicht mit, Siebenmeter führst du getrennt.

Über alle Zonen gelten im Amateurbereich 30–40 % als solider Bereich, deutlich über 40 % als stark. Aussagekräftiger ist die Aufschlüsselung: 45–60 % aus dem Rückraum, aber nur 20–35 % aus Nahdistanz sind normal, weil ein Kreisanspiel aus zwei Metern kaum zu halten ist.

Weil sie die Qualität der zugelassenen Würfe mitmisst. Ein Torwart hinter einer Abwehr, die freie Nahdistanzwürfe erlaubt, kommt bei identischer Leistung auf eine deutlich schlechtere Quote als einer hinter einer kompakten Abwehr. Ohne Zonenaufschlüsselung bewertest du die Abwehr und nennst es Torwartleistung.

Fünf Kategorien reichen und sind am Spielfeldrand noch mitschreibbar: Rückraum aus neun Metern, Außen im spitzen Winkel, Kreis beziehungsweise Nahdistanz, Tempogegenstoß und Siebenmeter. Feinere Raster klingen besser, werden im Spiel aber nicht sauber erfasst.

Nicht nach zwei Gegentoren – das ist Zufall. Begründet ist er, wenn eine bestimmte Zone über mehrere Spiele deutlich unter dem eigenen Schnitt liegt, oder wenn im laufenden Spiel eine klare Zonenschwäche sichtbar wird, die der zweite Torwart erfahrungsgemäß besser abdeckt.

Arkadiusz Weiss, Torwart, Trainer und Gründer von Statix

Über den Autor

Arkadiusz Weiss

Torwart, Trainer und Gründer von Statix

Arkadiusz Weiss steht seit über zehn Jahren im Handballtor und trainiert selbst eine Mannschaft in der Kreis- und Bezirksliga – genau der Alltag, für den diese Ratgeber geschrieben sind. Statix ist aus diesem Alltag entstanden: aus dem Zettel am Spielfeldrand, aus dem nach dem Abpfiff nie eine brauchbare Auswertung wurde.

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