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Taktik & SystemeNachschlagen

Positionen und Anforderungsprofile: wen stellst du wohin?

Sieben Positionen, sieben Anforderungsprofile – und die Frage, ab wann du überhaupt festlegen solltest. Ein Nachschlagewerk für die Kaderplanung, nicht für die Selbstfindung.

Von Arkadiusz Weiss, Torwart, Trainer und Gründer von Statix · aktualisiert 8 Min. Lesezeit

Eine Handballmannschaft besteht aus sieben Positionen mit sehr unterschiedlichen Anforderungen. Wer sie besetzt, trifft eine der folgenreichsten Trainerentscheidungen überhaupt – und trifft sie im Amateurbereich meistens nach Körpergröße und Verfügbarkeit.

Dieser Artikel ist als Nachschlagewerk gedacht: Was verlangt jede Position, worauf achtest du bei der Besetzung, und was misst du, um zu prüfen, ob sie passt.

Die sieben Positionen im Überblick

Im Angriff stehen die Feldspieler in der Grundaufstellung 3:3 – drei Rückraumspieler, zwei Außen und ein Kreisläufer –, dazu der Torwart. In der Abwehr verschiebt sich die Zuordnung: Aus Außenspielern werden meist Außenverteidiger, aus Rückraumspielern Halb- oder Innenverteidiger.

Die Kurzfassung je Position, bevor es in die Details geht:

PositionKernaufgabe im AngriffKernaufgabe in der Abwehr
TorwartAnspiel für den GegenstoßTor halten, Abwehr organisieren
KreisläuferSperren stellen, aus Nahdistanz abschließenInnenblock, härteste Abwehrposition
LinksaußenTempogegenstoß, Abschluss aus spitzem WinkelAußenverteidiger
Rechtsaußenwie links, meist mit linker WurfhandAußenverteidiger
Rückraum linksDistanzabschluss, Durchbruch, KreisanspielHalbverteidiger
Rückraum MitteSpielaufbau, Tempo, Anspiele verteilenInnenverteidiger
Rückraum rechtswie links, profitiert stark von linker WurfhandHalbverteidiger
Auf dem Feld3:3-Angriff
Handballfeld mit einem 3:3-Angriff mit Kreisläufer gegen eine 6:0-Abwehr164365821171014139
Die Grundaufstellung 3:3 im Angriff (orange) gegen eine 6:0-Abwehr (blau): drei Rückraumspieler, zwei Außen und der Kreisläufer an der Linie.

Anforderungsprofile im Detail

Kreisläufer

Die körperlich anspruchsvollste Feldposition. Der Kreisläufer arbeitet die gesamte Spielzeit im Kontakt, stellt Sperren, löst sich, bietet an – und bekommt dafür pro Spiel vielleicht sechs bis acht Bälle.

Worauf du achtest: Kontaktbereitschaft und Rumpfstabilität vor allem anderen. Dazu Antizipation: Der Kreisläufer muss lesen, wohin die Abwehr verschiebt, bevor er sich löst. Wurfhärte ist unwichtig, Abschlussvielfalt aus zwei Metern dagegen entscheidend – Dreher, Heber, Wurf aus dem Fall.

Häufigster Besetzungsfehler: die größte Person nehmen. Größe hilft beim Sperren, aber ein kleiner, beweglicher Kreisläufer mit gutem Timing ist wertvoller als ein großer, der immer zu spät kommt.

Außenspieler

Die Position mit dem schwierigsten Wurfwinkel und der höchsten Laufleistung. Ein Außenspieler läuft jeden Gegenstoß mit, auch wenn er den Ball nicht bekommt.

Worauf du achtest: Antritt und Sprungkraft zuerst, dann der Abschluss aus spitzem Winkel. In der Abwehr braucht der Außenverteidiger Beinarbeit und die Bereitschaft, den Ball nach vorn zu bringen.

Häufigster Besetzungsfehler: Die Position als Ablage für Spieler zu nutzen, die im Rückraum nicht durchsetzungsfähig sind. Außen ist keine einfachere Position, sie ist eine andere.

Rückraum links und rechts

Die Halbpositionen tragen den Distanzabschluss und den Zug zur Mitte. Rückraum rechts profitiert erheblich von einer linken Wurfhand – dazu gibt es eine eigene Entscheidungshilfe für Linkshänder im Kader.

Worauf du achtest: Wurfhärte aus neun Metern, Durchsetzungsfähigkeit im Zweikampf und die Fähigkeit, den Kreis anzuspielen. Der letzte Punkt wird bei der Besetzung fast immer vergessen und entscheidet, ob euer Angriff mehr als einen Weg hat.

Häufigster Besetzungsfehler: nur nach Wurfhärte besetzen. Ein Halbspieler, der wirft, aber niemanden bedient, macht euren Angriff berechenbar.

Rückraum Mitte

Die Position mit der größten Verantwortung für den Spielfluss. Der Mittelmann bestimmt das Tempo, entscheidet über Spielzüge und verteilt die Bälle.

Worauf du achtest: Übersicht und Entscheidungsgeschwindigkeit vor Wurfhärte. Ein Spielmacher muss nicht der beste Werfer sein – er muss aber gefährlich genug sein, dass die Abwehr ihn ernst nimmt, sonst kann sie sich auf die Anspiele konzentrieren.

Kommunikationsfähigkeit gehört hier zum Anforderungsprofil, nicht zu den weichen Faktoren. Der Mittelmann ist die einzige Feldposition, die alle anderen sieht.

Häufigster Besetzungsfehler: den besten Werfer in die Mitte stellen. Er wirft dann von dort, statt zu verteilen, und ihr verliert beides.

Torwart

Die Position mit dem größten Einzeleinfluss auf das Ergebnis. Anforderungen und Training stehen ausführlich im Torwarttraining.

Worauf du achtest: Reaktionsfähigkeit und Stellungsspiel, dazu die Fähigkeit, nach einem Gegentor sofort wieder im Spiel zu sein. Der letzte Punkt unterscheidet gute von sehr guten Torhütern deutlicher als jede Technik.

Ab wann du festlegst

Die häufigste Frage im Nachwuchs – und die wichtigste Antwort dieses Artikels: so spät wie möglich.

Bis zur D-Jugend spielt jedes Kind auf jeder Position, einschließlich Tor. Wer mit zehn Jahren zum Kreisläufer erklärt wird, weil er gerade der Größte ist, bekommt drei Jahre später ein Problem, wenn die anderen nachwachsen.

In der C-Jugend entstehen Schwerpunkte, aber jeder spielt weiterhin mindestens zwei Positionen. Ab der B-Jugend darf spezialisiert werden – und selbst dann gilt: Ein Rückraumspieler kann später auf Außen wechseln, umgekehrt fast nie. Im Zweifel bildest du im Rückraum aus.

Bei Erwachsenen ist die Frage eine andere: Dort geht es nicht um Ausbildung, sondern um die beste Besetzung mit dem vorhandenen Kader. Zwei Spieler, die zwei Positionen spielen können, sind mehr wert als drei Spezialisten – Ausfälle sind im Amateurbereich der Normalfall.

Wann was festgelegt wird
AltersstufeGrad der FestlegungWas du sicherstellst
bis D-JugendkeineJedes Kind spielt jede Position, auch im Tor.
C-JugendSchwerpunkteJeder spielt mindestens zwei Positionen regelmäßig.
B-JugendSpezialisierung beginntIm Zweifel im Rückraum ausbilden – der Weg nach außen bleibt offen.
A-Jugendweitgehend festgelegtZweitposition für den Ersatzfall bleibt trainiert.
Erwachsenenach KaderlageJede Position ist doppelt besetzbar.

Planungsraster für die Ausbildung, keine Vorschrift. Körperliche Entwicklung verläuft besonders zwischen 12 und 15 Jahren sehr unterschiedlich.

Grenzfälle aus der Kaderplanung

Der Spieler will unbedingt auf eine bestimmte Position. Nimm den Wunsch ernst, aber begründe deine Entscheidung mit dem Anforderungsprofil. Ein Spieler, der weiß, woran es liegt und was sich ändern muss, akzeptiert eine Position deutlich eher als einer, dem nur gesagt wird, wo er zu stehen hat.

Ihr habt drei gute Rückraumspieler und keinen Kreisläufer. Der häufigste Kaderengpass im Amateurbereich. Der Kreis ist die Position, die sich am ehesten neu lernen lässt – vorausgesetzt, der Spieler bringt Kontaktbereitschaft mit. Wurftechnik am Kreis ist in wenigen Monaten aufbaubar, Kontaktbereitschaft nicht.

Der beste Spieler ist auch der beste Verteidiger. Dann brauchst du eine Entscheidung über die Einsatzzeit, keine über die Position. Ein Spieler, der 60 Minuten Angriff und Abwehr spielt, ist in Minute 50 auf keiner von beiden gut.

Eine Position ist nur einfach besetzt. Plane den Ersatzfall, bevor er eintritt. Der Spieler, der einspringt, sollte die Position mindestens einmal pro Woche trainiert haben – im Spiel zum ersten Mal dort zu stehen, funktioniert nicht.

Ein Spieler passt körperlich nicht ins Profil, macht aber Tore. Vertrau dem Ergebnis. Anforderungsprofile sind Planungshilfen, keine Zulassungsregeln.

Was das für dich praktisch bedeutet

Prüfe deine Besetzung mit drei Zahlen statt mit dem Bauchgefühl:

Abschlussverteilung je Position. Wenn 70 % eurer Abschlüsse aus dem Rückraum kommen, ist entweder der Kreis nicht eingebunden oder die Außen bekommen keine Bälle. Beides ist ein Besetzungs- oder Systemthema, kein Abschlussthema.

Technische Fehler je Position. Häufen sich Ballverluste beim Kreisanspiel, liegt das Problem oft beim Halbspieler, nicht beim Kreisläufer.

Wurfquote je Position gegen die Richtwerte. Ein Außenspieler bei 40 % und ein Rückraumspieler bei 40 % sind zwei völlig verschiedene Befunde – zur Einordnung hilft der Artikel zur Wurfquote.

Nimm dir diese drei Auswertungen einmal pro Halbserie vor. Öfter braucht es nicht, seltener übersiehst du eine Fehlbesetzung eine ganze Saison lang.

Nachgefragt

Häufige Fragen

Sieben: Torwart, Kreisläufer, Linksaußen, Rechtsaußen sowie Rückraum links, Mitte und rechts. Im Angriff stehen die Feldspieler üblicherweise in einer 3:3-Grundaufstellung. In der Abwehr verschieben sich die Rollen – aus Außenspielern werden Außenverteidiger, aus Rückraumspielern Halb- oder Innenverteidiger.

Auf Kontaktbereitschaft und Rumpfstabilität, dazu Antizipation – der Kreisläufer muss lesen, wohin die Abwehr verschiebt, bevor er sich löst. Wurfhärte ist unwichtig, Abschlussvielfalt aus zwei Metern dagegen entscheidend. Die größte Person zu nehmen ist der häufigste Fehler: Timing schlägt Größe.

So spät wie möglich. Bis zur D-Jugend spielt jedes Kind jede Position, einschließlich Tor. In der C-Jugend entstehen Schwerpunkte, jeder spielt aber mindestens zwei Positionen. Spezialisierung ab der B-Jugend – und im Zweifel im Rückraum, weil der Weg nach außen später offen bleibt, umgekehrt aber fast nie.

Übersicht und Entscheidungsgeschwindigkeit vor Wurfhärte. Er muss gefährlich genug abschließen, dass die Abwehr ihn ernst nimmt, aber seine Hauptaufgabe ist das Verteilen. Kommunikationsfähigkeit gehört bei dieser Position zum Anforderungsprofil – sie ist die einzige Feldposition, die alle anderen sieht.

Weil sie aus dem Winkel der rechten Angriffsseite deutlich mehr Tor sehen. Ein Rechtshänder muss dort über den Körper werfen und verliert Winkel wie Wurfhärte. Ob ein einzelner Linkshänder besser im Rückraum oder auf Rechtsaußen aufgehoben ist, hängt vor allem an seiner Wurfhärte aus neun Metern.

Der Kreis ist die Position, die sich am ehesten neu lernen lässt, vorausgesetzt der Spieler bringt Kontaktbereitschaft mit. Wurftechnik aus zwei Metern lässt sich in wenigen Monaten aufbauen, Kontaktbereitschaft nicht. Wähle also nach Bereitschaft, nicht nach Statur.

Arkadiusz Weiss, Torwart, Trainer und Gründer von Statix

Über den Autor

Arkadiusz Weiss

Torwart, Trainer und Gründer von Statix

Arkadiusz Weiss steht seit über zehn Jahren im Handballtor und trainiert selbst eine Mannschaft in der Kreis- und Bezirksliga – genau der Alltag, für den diese Ratgeber geschrieben sind. Statix ist aus diesem Alltag entstanden: aus dem Zettel am Spielfeldrand, aus dem nach dem Abpfiff nie eine brauchbare Auswertung wurde.

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