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Taktik & SystemeEntscheidungshilfe

Linkshänder im Kader richtig einsetzen

Linkshänder sind selten und werden deshalb fast immer falsch eingesetzt – oft rechts außen, obwohl sie im Rückraum mehr wert wären. Kriterien, Matrix und Empfehlungen für vier typische Kaderlagen.

Von Arkadiusz Weiss, Torwart, Trainer und Gründer von Statix · aktualisiert 7 Min. Lesezeit

Etwa jeder zehnte Mensch ist Linkshänder, im Handball sind sie damit strukturell knapp: Zwei Positionen der rechten Angriffsseite – Rückraum rechts und Rechtsaußen – profitieren erheblich von einer linken Wurfhand, und beide müssen aus demselben kleinen Pool besetzt werden.

Die Folge ist ein Reflex, den fast jeder Trainer kennt: Der einzige Linkshänder im Kader wird auf Rechtsaußen gestellt, weil "da braucht man einen". Das ist in vielen Fällen die schlechtere Entscheidung – und sie fällt meist, ohne dass jemand die Alternative geprüft hätte.

Vier Ausgangslagen, in denen du entscheidest

Lage A: kein Linkshänder im Kader. Die häufigste Situation im Amateur- und Jugendbereich. Die rechte Angriffsseite wird von Rechtshändern besetzt, mit allen Nachteilen im Abschlusswinkel.

Lage B: genau ein Linkshänder. Die schwierigste Lage, weil du eine echte Entscheidung treffen musst. Rückraum rechts oder Rechtsaußen – beides geht nicht.

Lage C: zwei oder mehr Linkshänder. Beide Positionen können besetzt werden. Jetzt geht es um die Frage, wer wohin passt – und ob du einen von beiden im Rückraum halten willst, auch wenn er dort als Rechtsaußen mehr Tore machen würde.

Lage D: ein Linkshänder in der Jugend, noch ohne feste Position. Hier entscheidest du nicht über eine Saison, sondern über eine Ausbildungsrichtung. Diese Entscheidung wiegt am schwersten und wird am leichtesten getroffen.

Auf dem Feld3:3-Angriff
Handballfeld mit einem 3:3-Angriff mit Kreisläufer gegen eine 6:0-Abwehr164365821171014139
Die rechte Angriffsseite: Rückraum rechts und Rechtsaußen werfen beide aus einem Winkel, der einem Linkshänder das Tor öffnet und einem Rechtshänder den Arm verschließt.

Die Kriterien und was sie wiegen

Vier Kriterien reichen, aber sie wiegen nicht gleich viel:

Wurfkraft und Körpergröße (hohes Gewicht). Rückraum rechts verlangt einen Abschluss von neun Metern gegen Block. Fehlt die Wurfhärte, wird die Position zur Sackgasse – dann ist Rechtsaußen die deutlich sinnvollere Wahl.

Spielübersicht und Anspielqualität (hohes Gewicht). Der rechte Rückraumspieler ist ein Anspielstation für Kreis und Außen, nicht nur ein Werfer. Wer nur abschließen kann, verschenkt auf dieser Position die Hälfte ihres Werts.

Schnelligkeit und Sprungkraft (mittleres Gewicht). Rechtsaußen lebt vom Tempogegenstoß und vom Abschluss aus spitzem Winkel. Beides ist ohne Antritt und Sprung schwer.

Abwehrverwendbarkeit (mittleres Gewicht). Ein Rückraumspieler, der auch innen verteidigen kann, hält deinen Kader zusammen. Ein reiner Außenspieler bindet einen Wechsel.

Was kein Kriterium sein sollte: dass gerade niemand anders für Rechtsaußen da ist. Diese Notlage ist ein Wechselproblem, keine Positionsfrage – und sie kostet dich unter Umständen die stärkste Angriffsposition, die du hättest haben können.

Die Optionen im Vergleich

Lies die Matrix von links nach rechts: Du suchst die Zeile, die zum Profil deines Spielers passt, nicht die mit den meisten Häkchen.

Wohin mit dem Linkshänder?
OptionStarker DistanzwurfGute SpielübersichtHoher Antritt, gute SprungkraftWenig WurfhärteFazit
Rückraum rechtsgut geeignetgut geeignetbedingt geeignetungeeignetErste Wahl, wenn Wurfhärte und Übersicht reichen
Rechtsaußenbedingt geeignetbedingt geeignetgut geeignetgut geeignetRichtig, wenn die Distanz fehlt und der Antritt stimmt
Beides im Wechselbedingt geeignetbedingt geeignetbedingt geeignetbedingt geeignetNur in der Jugend sinnvoll, im Erwachsenenbereich halbherzig

Empfehlung je Ausgangslage

Lage A – kein Linkshänder: Besetze Rechtsaußen mit deinem schnellsten Rechtshänder und trainiere gezielt den Abschluss aus dem spitzen Winkel über die kurze Ecke, weil die lange für ihn kaum erreichbar ist. Im Rückraum rechts stellst du einen Rechtshänder auf, der stark im Durchbruch ist – seine Stärke muss der Zug zur Mitte werden, nicht der Distanzwurf. Und akzeptiere, dass die rechte Seite eure schwächere bleibt: Verlagere Spielzüge bewusst nach links, statt gegen die Struktur zu arbeiten.

Lage B – genau ein Linkshänder: Prüfe zuerst den Rückraum. Wenn Wurfkraft und Übersicht reichen, gehört er dorthin – dort verändert er euer Angriffsspiel, auf Außen erhöht er nur eure Abschlussquote in einer Zone. Nur wenn die Wurfhärte für neun Meter erkennbar nicht reicht, ist Rechtsaußen die richtige Wahl. In der Jugend gilt zusätzlich: Wurfkraft entwickelt sich noch, Übersicht auch – entscheide nicht mit zwölf, was mit siebzehn gilt.

Lage C – zwei oder mehr: Besetze beide Positionen und halte einen dritten Linkshänder bewusst im Rückraum, auch wenn er dort weniger Tore macht. Kadertiefe auf der rechten Seite ist der Vorteil, den fast keine Amateurmannschaft hat – ihn für ein paar Tore mehr aufzugeben, lohnt sich selten.

Lage D – Jugend, offene Ausbildung: Bilde bis zur B-Jugend beide Positionen aus, mit Schwerpunkt auf dem Rückraum. Ein Rückraumspieler kann später jederzeit auf Außen wechseln, umgekehrt fast nie – die Wurfausbildung aus der Distanz lässt sich mit siebzehn nicht mehr nachholen. Das ist die wichtigste Regel dieses Artikels.

Dein nächster Schritt

Nimm dir deinen Kader vor und beantworte drei Fragen, bevor die nächste Saison beginnt:

  1. Wer wirft links? Auch die, die es nie gemacht haben – frag konkret nach, im Zweifel im Training testen. Beidhändige Spieler und solche mit einer starken linken Hand tauchen so öfter auf, als man denkt.
  2. Wie viele Abschlüsse kommen bei euch von rechts? Zähl es über drei Spiele. Wenn der Anteil deutlich unter dem der linken Seite liegt, ist eure rechte Seite kein Positions-, sondern ein Strukturproblem.
  3. Was misst du in der Jugend? Wenn du einen Linkshänder in der D-Jugend hast, notiere ab jetzt seinen Anteil an Rückraumabschlüssen. Diese Zahl entscheidet in vier Jahren darüber, ob ihr einen Rückraumspieler habt oder einen weiteren Außenspieler.

Für die Auswertung reicht ein Blatt: Abschlüsse je Position über drei Spiele, getrennt nach links, Mitte und rechts. Wer die Zonen ohnehin in einer Handball-Statistik-App erfasst, sieht die Schieflage der Seiten direkt im Wurfbild.

Nachgefragt

Häufige Fragen

Weil zwei Angriffspositionen – Rückraum rechts und Rechtsaußen – aus einem Winkel abschließen, in dem die linke Wurfhand deutlich mehr Tor sieht. Ein Rechtshänder muss dort über den Körper werfen und verliert Winkel und Wurfhärte. Da nur etwa jeder zehnte Mensch Linkshänder ist, sind beide Positionen strukturell schwer zu besetzen.

Prüfe zuerst den Rückraum. Dort verändert er euer Angriffsspiel, weil er als Anspielstation für Kreis und Außen wirkt und aus der Distanz abschließt. Auf Rechtsaußen erhöht er nur die Quote in einer Zone. Nur wenn die Wurfhärte für neun Meter erkennbar nicht reicht, ist Rechtsaußen die richtige Wahl.

Rechtsaußen bekommt den schnellsten Rechtshänder, mit Schwerpunkt auf dem Abschluss über die kurze Ecke – die lange ist für ihn kaum erreichbar. Im Rückraum rechts stellst du einen durchbruchstarken Rechtshänder auf, dessen Stärke der Zug zur Mitte ist. Und verlagere Spielzüge bewusst nach links, statt gegen die Struktur zu arbeiten.

Nein. Bilde bis zur B-Jugend beide Positionen aus, mit Schwerpunkt auf dem Rückraum. Ein Rückraumspieler kann später jederzeit auf Außen wechseln, umgekehrt fast nie – die Wurfausbildung aus der Distanz lässt sich mit siebzehn nicht mehr nachholen.

Fast alle Standardübungen sind für Rechtshänder gedacht: Anlaufwege, Kreuzbewegungen und Anspielrichtungen laufen spiegelverkehrt. Als Trainer solltest du Übungen bewusst gespiegelt aufbauen, statt den Linkshänder die Rechtshänder-Variante mitmachen zu lassen – sonst trainiert er in jeder Einheit die für ihn falsche Bewegung.

Arkadiusz Weiss, Torwart, Trainer und Gründer von Statix

Über den Autor

Arkadiusz Weiss

Torwart, Trainer und Gründer von Statix

Arkadiusz Weiss steht seit über zehn Jahren im Handballtor und trainiert selbst eine Mannschaft in der Kreis- und Bezirksliga – genau der Alltag, für den diese Ratgeber geschrieben sind. Statix ist aus diesem Alltag entstanden: aus dem Zettel am Spielfeldrand, aus dem nach dem Abpfiff nie eine brauchbare Auswertung wurde.

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