Kempa-Trick lernen: der spektakulärste Spielzug im Handball
Anspiel in den Kreis, Fangen in der Luft, Abschluss vor der Landung: Der Kempa ist die Königsdisziplin des Handballs. So lernst du Anspiel, Timing und Abschluss Schritt für Schritt.
Kein Spielzug bringt eine Halle so zum Beben wie ein verwandelter Kempa: Der Ball fliegt in den Kreis, ein Spieler steigt hoch, fängt ihn in der Luft und wirft, bevor er den Boden berührt. Benannt ist der Trick nach Bernhard Kempa, der ihn in den 1950er-Jahren berühmt machte. Der Kempa sieht nach Zauberei aus – ist aber ein trainierbarer Spielzug mit klaren Regeln und klarem Aufbau.
Die Regel hinter dem Trick
Der Kempa funktioniert wegen einer Besonderheit der Kreisregel: Der Wurfkreis gehört dem Torwart, Feldspieler dürfen ihn nicht betreten. Aber: Der Luftraum über dem Kreis ist frei. Ein Angreifer darf über dem Kreis fliegen, dort den Ball fangen und werfen – solange er den Ball loswird, bevor er im Kreis landet. Landet er mit Ball, gibt es Freiwurf oder Abwurf für den Gegner.
Daraus ergeben sich die drei Grundbedingungen:
- Absprung vor der Kreislinie
- Fangen und Werfen in der Luft
- Der Ball muss die Hand verlassen, bevor der Springer landet
Die zwei Rollen: Passgeber und Flieger
Das Anspiel
Der schwierigere Part ist das Zuspiel. Ein gutes Kempa-Anspiel ist:
- Hoch genug, dass der Flieger es am höchsten Punkt fangen kann
- Vor den Springer gespielt, in seine Flugbahn – nicht auf die aktuelle Position
- Mit ruhiger Flugkurve, eher ein „Lupfer" als ein harter Pass
- Getarnt: Der Passgeber schaut nicht in den Kreis, sonst liest die Abwehr den Zug
Meist spielt der Spielmacher oder ein Halbspieler das Anspiel, oft aus einer normalen Angriffsbewegung heraus.
Der Flug und Abschluss
Der Flieger – häufig Kreisläufer oder ein einlaufender Außen – braucht:
- Timing: Der Anlauf startet, wenn der Passgeber den Ball erhält, der Absprung erfolgt knapp vor der Kreislinie.
- Weiten Sprung Richtung Tor: je näher am Tor der Abschluss, desto besser der Winkel.
- Sicheres Einhandfangen oder beidhändiges Fangen in der Luft, dann sofortige Wurfbewegung – für Fangen, Umgreifen und Werfen bleibt weniger als eine Sekunde.
- Landung einkalkulieren: Nach dem Wurf sicher auf den Füßen oder kontrolliert abrollend landen.
Wann lohnt sich der Kempa?
Ehrliche Antwort: seltener, als es die Highlight-Videos vermuten lassen. Gute Momente:
| Situation | Warum sie funktioniert |
|---|---|
| Überzahlspiel | ein Verteidiger fehlt, der Kreis ist schlechter gesichert |
| Letzte Sekunde eines Angriffs oder einer Halbzeit | die Abwehr erwartet den Distanzwurf |
| Nach einem Kreuzen mit gebundener Abwehr | Innenblock ist beschäftigt, der Luftraum frei |
| Freiwurf-Situationen mit einstudiertem Zug | Überraschungsmoment durch Standardvariante |
Gegen eine sortierte, wache Abwehr ist der Kempa riskant: Ein abgefangenes Anspiel bedeutet fast sicher einen Gegenstoß. Der Kempa ist ein Werkzeug für den richtigen Moment – kein Standardspielzug für jeden Angriff.
Kempa trainieren: der Stufenaufbau
Der Kempa setzt sichere Grundlagen voraus: Sprungkraft, Einhandfangen (Harz hilft), Wurf aus der Luft. Dann geht es stufenweise:
- Fangen und Werfen in der Luft ohne Kreis: Anspiel vom Partner, Sprung, Fangen, Wurf aufs leere Tor.
- Mit Kreislinie und Markierung: Absprungzone markieren, Landung im Kreis ohne Ball kontrollieren.
- Mit Torwart: Der Abschluss aus der Luft gegen echten Widerstand – Heber und platzierte Würfe üben.
- Mit passiver, dann aktiver Abwehr: Timing des Einlaufens gegen Verteidiger am Kreis.
- Als einstudierter Spielzug: feste Auslösehandlung (z. B. Kreuzen im Rückraum), klares Zeichen, definierter Flieger.
Wichtig für Trainer: Kempa-Training ist auch Sprung- und Landetraining – Matten und saubere Landetechnik gehören von Anfang an dazu. Und: Die Übungsform macht enorm viel Spaß, selbst wenn der Zug nie im Spiel läuft – als Belohnung am Trainingsende ist sie Gold wert.
Varianten
- Klassischer Kempa: Anspiel vom Rückraum auf den einlaufenden Kreisläufer oder Außen
- Doppel-Kempa: Der Flieger legt in der Luft noch einmal auf einen zweiten Springer ab – extrem selten, extrem spektakulär
- Kempa von außen: Anspiel des Außenspielers auf den parallel einfliegenden Kreisläufer
Risiko und Ertrag im Blick behalten
Ob sich spektakuläre Züge lohnen, verrät die Statistik: Wie oft führt der einstudierte Zug zum Tor, wie oft zum Ballverlust mit Gegenstoß?
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Häufige Fragen
Ein Spielzug, bei dem ein Angreifer den Ball im Sprung über dem Wurfkreis fängt und wirft, bevor er landet. Erlaubt ist das, weil nur das Betreten des Kreises verboten ist, nicht der Luftraum darüber. Benannt ist der Trick nach Bernhard Kempa, der ihn in den 1950er-Jahren populär machte.
Ja, unter drei Bedingungen: Der Springer muss vor der Kreislinie abspringen, den Ball in der Luft fangen und ihn werfen, bevor er im Kreis landet. Landet er mit Ball im Kreis, entscheidet der Schiedsrichter auf Freiwurf beziehungsweise Abwurf für die verteidigende Mannschaft.
Stufenweise: zuerst Fangen und Werfen in der Luft ohne Kreis, dann mit markierter Absprungzone, danach mit Torwart und schließlich gegen passive und aktive Abwehr. Grundlagen sind Sprungkraft, sicheres Fangen in der Luft und saubere Landetechnik. Als fester Spielzug braucht der Kempa eine klare Auslösehandlung und ein vereinbartes Zeichen.
In ausgewählten Momenten mit Überraschungseffekt: im Überzahlspiel, in der letzten Sekunde eines Angriffs oder nach einem Kreuzen, das den Innenblock bindet. Gegen eine sortierte Abwehr ist das Risiko hoch, weil ein abgefangenes Anspiel meist einen Gegenstoß bedeutet – der Kempa ist ein Spezialwerkzeug, kein Standardzug.
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